Montag, 4. Juni 2012

Review: Fage MC "Verderb und Gedeih" - fresher Rap aus Tübingen

Deutschrap ist ja häufig so eine Sache. Irgendwo zwischen superintelligenten Drogenopfern, Fäkalrap oder Funrap und ein paar weniger streitbaren Künstlern wie Curse oder Samy Deluxe angesiedelt, stehen seine Vertreter häufig im Schatten ihrer US-amerikanischen Kollegen und müssen sich Vergleiche mit ihnen gefallen lassen. Doch warum eigentlich? Wir haben hier doch auch Rapper mit Potenzial. Und einer davon ist der Newcomer Fage MC. Sollte ich ihn mit jemandem vergleichen, fiele mir sicher aufgrund der Stimme zuerst Casper ein. Kein sanfter, ruhiger Klang, der von Missständen und Schicksalsschlägen zu berichten weiß. Nein, bei Fage MC hört man direkte Gefühle. Ob das schmerzhafte Ende einer Beziehung (die Singleauskopplung "Verdammte Tür"), die Ohnmacht angesichts der Krebserkrankung eines Angehörigen ("Sterben für dich") oder menschliche Abgründe insgesamt ("Büchse der Pandora") - Wut und Verzweiflung klingen authentisch und berühren nicht zuletzt aufgrund der Musik. Sehr empfehlenswert ist dabei auch der Titel "Schwerelos" über das harte Leben südamerikanischer Straßenkids.
Und trotz der ernsten Themen wirkt das Album nicht deprimierend. "Verderb und Gedeih" - Am Ende bleibt die Ahnung, dass hier etwas Großes wachsen kann.




Die Songs sind alle eingängig und mitreißend, können auf Dauer aber auch etwas anstrengend sein. Die von der japanischen Pianistin Younee eingespielten Klaviermelodien und die Gitarren von Frank Kühnlein, dem Gitarristen der Nu-Metal-Band nulldB, das Schreiende in der Stimme - manchmal wünscht man sich etwas mehr Abwechslung (aber so geht es mir bei Caspar ja auch immer). Doch bleibt nichts desto trotz festzuhalten:
Hier macht niemand Musik, der nicht einfach nur sein Ego zur Schau stellen will, sondern ein junger Mann, der sich engagiert. Fage MC nimmt erfolgreich an Poetry Slams Teil, hat in Nicaragua zusammen mit dem österreichischen Violinisten Johannes Kranz die Ópera Reggaetón - ein musikalischer Mix aus Rap, Klassik und Reggaetón - initiiert - und nun kommt das hörenswerte Debüt-Album. Sicherlich gibt es da noch Luft nach oben, handwerklich und an der musikalischen Bandbreite, aber dafür gibt es ja Folgealben. Und den weiteren Weg von Fage MC sowie seine Projekte zu verfolgen, wird sicher spannend sein. Insgesamt also eine klare Kaufempfehlung für dieses Erstlingswerk. 

Mittwoch, 25. April 2012

10 Spiele, die Nintendos Wii U braucht

In gut 40 Tagen ist es soweit und die größte Videospielmesse der Welt, die Electronic Entertainment Expo, kurz E3, öffnet vom 5. bis zum 7. Juni ihre Tore in Los Angeles. Wie jedes Jahr präsentieren PC- und Konsolenspielhersteller ihre neusten Spiele und versuchen in den mittlerweile wieder sehr lauten Messehallen ihr Publikum zu finden. Damit im lauten Getümmel die wichtigen Informationen der großen Hersteller nicht untergehen, halten diese Pressekonferenzen ab, die live im Internet übertragen werden, damit die Welt zeitgleich erfährt, auf was man sich in den nächsten Monaten freuen kann.


Besonderes Augenmerk wird die Spielewelt wieder auf Nintendo richten. Nachdem das japanische Traditionsunternehmen letztes Jahr den Wii-Nachfolger namens Wii U vorgestellt hatte, wird es in diesem Jahr umso spannender zu sehen sein, welche Technik wirklich in der neusten Heimkonsole steckt, wie der Wii U Controller eingesetzt wird und welche Spiele Nintendo selbst zum Start oder nahe dem Release Termin, welcher auch noch bekannt gegeben werden muss, auf den Markt bringt. Während Pikmin 3 und ein neues Super Mario Bros. Spiel bereits vom Schöpfer der beiden Serien, Shigeru Miyamoto, persönlich bestätigt wurden, und wir uns sicherlich auch auf ein Wiedersehen mit den Miis einstellen können, ranken sich um den Rest nur Gerüchte, gefährliche Halbwahrheiten und Wunschdenken der Spieler. Das bezieht sich auch auf die Dritthersteller, die im Laufe des Jahres schon einige große Kaliber angekündigt haben (u.a. Batman: Arkham City, Assassin's Creed 3 und Darksiders 2), aber der Rest bleibt noch im Verborgenen. Umso schöner war für Nintendo Fans die Aussage von GameTrailers.com Editor in Chief Shane Shatterfield vor wenigen Tagen, als er das Launch Line-Up als "Pretty Damn Good" bezeichnete. Aus diesem Grund habe ich mir mal Gedanken gemacht, welche Spieleserien der Wii U gut zu Gesicht stehen würden und welche Spiele die Konsole braucht, damit der geneigte "Hardcore Gamer" nicht nur Mario und Zelda, sondern auch Third Party Games auf einer Nintendo Konsole spielt. Hier sind meine Top 10 Spiele, die auf der Wii U erscheinen sollten. Und ja, dass ist ebenfalls eine Wunschliste eines Fans, der mit überhaupt keinem Wissen ausgestattet ist.

10. Beyond Good & Evil (Ubisoft)
Ok, hier spricht der Fanboy des Erstlings in mir. Beyond Good & Evil gehört für mich noch immer zu einem der wundervollsten Spiele aller Zeiten, weil hier von allem etwas mit drin ist. Der Nachfolger lässt nun mittlerweile schon Jahre auf sich warten, immer mal wieder wurde es von UbiSoft erwähnt, es wurde ein Trailer gezeigt und angebliche Spielszenen, aber möglicherweise wird es doch nie dazu kommen, dass Beyond Good & Evil 2 jemals erscheint. Nichtsdestotrotz will ich dieses Spiel, am liebsten natürlich auf einer Nintendo Konsole. Warum also nicht bei der E3 die Bombe platzen lassen und den zweiten Teil offiziell ankündigen.

9. Runner 2 (Gaijin Games)
Runner 2 steht stellvertretend für all die Download Games, die für das Nintendo Network erscheinen könnten. Die WiiWare hat zwar einige kleine Perlen hervorgebracht, im Vergleich zu einigen PSN- oder Live-Spielen wurde aber die geringe Speichermenge irgendwann deutlich. Gut, dass es die Bit.Trip-Serie gab, die mit wenig ausgekommen ist und doch so viel gegeben hat. Als großer Fan der Bit.Trip-Serie auf der Wii (ein Test von BIT.TRIP COMPLETE folgt noch) würde ich mir natürlich wünschen, dass der Nachfolger des beliebtesten Titels auch auf der Wii U sein Zuhause findet und das Download Games Angebot richtig nach vorne bringt.

8. Sim City (Maxis)
Vor gut zwei Wochen wurde der fünfte Teil der Sim City Reihe für den PC angekündigt. Es soll sich dabei aber nicht um einen einfachen fünften Teil handeln, sondern einen kompletten Reboot der Serie. Wer den Trailer gesehen hat und die Spiele früher schon gerne gespielt hat, der wird sich auf viel neues, aber doch viel vertrautes freuen können. Und wie geil wäre das, wenn man auf dem Wii U Controller die Stadt planen und aufbauen könnte, während man in Echtzeit auf dem TV-Bildschirm sieht, wie sich das alles entwickelt. Als kleines Easteregg könnte man eine Karte des SNES Spiels auswählen oder als Berater den guten Dr. Wright, angelehnt an den Erfinder der Serie, Max Wright, auswählen.

7. Silent Hill (Konami)
Der neuste Teil der Reihe ist gerade für die 360 und die PS3 erschienen, Nintendo Fans konnte bisher nur an ein Remake des ersten Teils Hand anlegen. Wer dies gespielt hat, der war (abermals) sehr angetan von dem Horrorspiel, welches Konami seit mittlerweile 14 Jahren auf den Markt bringt, bei dem gerade der zweite Titel den Ruf als eines der besten Spiele aller Zeit trägt. Diese verstörte Umgebung mit der noch verstörenen Musik, der Geschichte und all dem wäre für die Wii U ein guter Anreiz, neue Schockelemente, gerade mit Hilfe des Controllers, kennenzulernen.

6. Street Fighter (Capcom)
Wer sich die Wii angeschaut hat, der wird festgestellt haben, dass es gerade bei den Prügelspielen ein recht großes Vakuum gab und die richtig guten konnte man sogar an einer Hand abzählen. Da ist es umso schöner, dass Namco bereits Tekken für die Wii U angekündigt hat, aber mein Herz hat schon immer mehr für Capcoms Street Fighter Serie geschlagen. Nach dem sehr gelungenem 3DS Ableger des vierten Teils wird es nun endlich mal wieder Zeit, einen Street Fighter Titel auf eine Heimkonsole Nintendos zu bringen. Wer weiß, vielleicht sogar innerhalb eines "Street Fighter X Smash Bros."-Crossovers?

5. Final Fantasy (SquareEnix)
Man kann gerne darüber streiten, wie gehaltvoll die Rollenspielserie überhaupt noch ist. Gerade die letzten drei Titel mussten der Kritik der Fans der älteren Titel Stand halten. Trotzdem muss man ohne Neid anerkennen, dass die Final Fantasy Reihe noch immer einen sehr, sehr großen Namen hat und sich die Spiele auch wie geschnitten Brot verkaufen. Nachdem es für Nintendo Fans auf dem GameCube und der Wii nur Spinoffs gab, wäre es mit der neusten Konsole doch auch mal wieder an der Zeit, einen vollwertigen Final Fantasy Titel auf den Markt zu bringen. Nicht wenige würden ein HD Remake von Final Fantasy VII kaufen, oder?

4. Untitled REALISTIC Racing Game
Ok, das ist sehr wage formuliert. Aber während die Playstation Gran Turismo und die X-Box Forza hat, hat Nintendo...Mario Kart. Weiter weg kann man von einem realistischen Rennspiel nicht sein. Seit Jahren hat der japanische Konzert kein gescheites Rennspiel mehr auf seinen Konsolen präsentieren können und aus diesem Grund muss es auf der Wii U endlich mal ein reines Rennspiel für Nintendo geben. Ohne Schnickschnack. Ohne Knuddeloptik. Ohne Fantasie. Einfach ein Rennspiel. Mit echten Marken. Gerne gepimpt, gerne getunet, aber auf jeden Fall realistisch.

3. FIFA (EA Sports)
Ja, auf der Wii gab es FIFA. Und wenn man sich diese alleine für sich anschaut, waren die auch solide. Besonders der Hallenmodus (hach, FIFA 98). Aber vergleicht man sie mit den großen Versionen auf PC, 360 und PS3, dann war das Kindergeburtstag. Viele Tore, wenig "echter" Fußball, kein Unterschied, ob Messi oder Kuranyi dribbelt. Das muss auf der Wii U anders werden. Gegen "ein bisschen" Realismus hat schließlich keiner was einzuwenden. Und da dribbelt Nutella Kevin einfach nicht so elegant wie Messi. Und auf dem Wii U Controller könnte man z.B. die Taktik ändern oder Auswechslungen vornehmen, ohne groß das Spiel unterbrechen zu müssen. Stellvertretend gilt dies auch für alle EA Sports Titel, die auf der Wii stiefmütterlich behandelt wurden. Oh, und auch die WWE-Reihe von THQ. Bitte macht's realistisch.

2. Resident Evil (Capcom)
Vor gut einer Woche wollte der Produzent des sechsten Resident Evil Teils (noch) nicht bestätigen, dass dieser auch für die Wii U erscheint, es würde sich aber sehr gut anbieten (und ich rechne mit einer Ankündigung auf der E3). Die Beziehung zwischen Nintendo und Capcom ist gut, die Wii U hat die Power, die die Resident Evil Reihe mittlerweile voraussetzt, der 3DS Teil RE: Revelations ist immer noch der bestaussehenste Titel des Handhelds, es spricht also nur wenig dagegen, dass sich die Reihe nicht auch auf Nintendos neuster Konsole wiederfindet.

1. Grand Theft Auto (Rockstar)
Machen wir uns nichts vor: GTA gehört zu einer der wichtigsten Marken in der Videospielwelt. Über kaum eine Serie wurde so kontrovers in der Vergangenheit berichtet und diskutiert, gerade wegen den sehr überzeichneten Charakteren und Geschichten innerhalb der Spiele. Drogen, Gewalt, Sex, hier ist alles vertreten, was als zu anstößig angesehen wird. Aber aus diesem Grund ist die Serie auch deswegen so beliebt und verkauft gleichzeitig auch ein System, was nun wirklich nicht auf viele Videospielreihen zutrifft. Nintendo muss hier eigentlich zugreifen, möchte man damit der ganzen Welt sagen: "Schaut, wir haben GTA in unser Boot geholt, wir sind auch 'erwachsen'", was man Big N nie zugestanden hat. Wenn Nintendo einen Titel eines Drittherstellers braucht, um nicht mehr nur als Mario und Zelda-Konsole verkauft zu werden dann ist das meiner Meinung nach GTA.

Das sind nun meine Top 10. So quasi. Ganz grob. Fehlt eurer Meinung nach noch eine Serie? Was muss Nintendo noch mit aufbieten? Schreibt's in die Comments oder schickt uns eMails.

Mittwoch, 4. Januar 2012

Filmgames, die Zweite


Etwas später als zunächst geplant kommt hier also der zweite Teil unserer kleinen Überschau zu Games zu Filmen (zu Comics). Aber ein richtiger Jahresrückblick sollte ja auch erst nach Ende des entsprechenden Jahres erscheinen...


Phineas und Ferb – Quer durch die 2. Dimension
Phineas und Ferb – Diese beiden Kerlchen sagten mir zunächst einmal nichts, hat meine Disney-Zeit doch mit Lilo und Stitch oder spätestens der Großen Pause aufgehört, bin ich ihr entwachsen. Nun also das Videospiel zum gleichnamigen Fernsehfilm, der ja auch schon auf den Figuren der seit 2007 produzierten Zeichentrickserie basiert. Für alle, die mit den neueren Disney-Serien auch nicht so vertraut, sei gesagt, Phineas und Ferb sind Stiefbrüder, die beständig eine Menge Unfug anrichten, es dabei aber jedes Mal vermeiden können, von ihrer Schwester Candace verpetzt zu werden. Soweit, so normal. Etwas abgedrehter erscheint da schon ihr Haustier, ein Agent P genanntes Schnabeltier, das die Welteroberungspläne des genial-diabolischen Dr. Doofenschmitz, Inhaber der Doofenschmitz Evil Inc., durchkreuzen muss . 


Und genau diese Charaktere begegnen uns im Game (das sich ansonsten doch vom Film unterscheidet): Zu Beginn lassen sich nur Phineas und Ferb spielen, später gibt es aber insgesamt acht Charaktere mit unterschiedlichen Stärken, sodass die – ganz im Stile des Films - bunten Level von vielen Bekannten bevölkert werden können. In durchaus abwechslungsreichen Welten zwischen zwei- und dreidimensionalen Abschnitten geht es in Jump ‚n’ Run-Manier durch die Lüfte oder durch Doofenschmitz’ Fabrik, immer auf der Hut vor dessen Roboterschergen oder anderen Tierchen (Schnabeltier Perry ist nicht der einzige Exot, aufpassen sollt man z.B. auch auf Stachelschweine...). Zusätzlich gilt es, Rätsel zu lösen und, ebenfalls typisch für die beiden Rabauken, einzelne Teile zu waghalsigen Konstruktionen zusammenzufügen.
Das ist alles in allem nicht sonderlich schwer, dürfte aber erwachsenen Spielern häufig ein Schmunzeln entlocken und gerade für die jüngeren Spieler Spaß bringen, zumal alle Missionen zu zweit gespielt werden können. Grafisch geht das Spiel auch in Ordnung, wenn auch einige Videosequenzen etwas unscharf wirken und die Mimik stellenweise verloren geht.
Phineas und Ferb ist also ein lustig-skurriles Spiel, das vor allem die jungen Fans der Serie wirklich erfreuen kann.


Green Lantern – Rise of the Manhunters:
Noch eine Comic-Verfilmung – noch ein Game zum Film... Das Kinoerlebnis war zwar nicht so schlecht wie befürchtet, doch kommt der grüne Held auch in Spielform nicht über eine mittelmäßige Bewertung hinaus.
Die Story ist, wie man sie von einem Superhelden-Spiel erwartet: Die Manhunters (eine Art Roboter-Cops) bedrohen Universum und Menschheit und Green Lantern Hal Jordan muss ihnen in den Hintern treten. Das ist ziemlich wörtlich zu nehmen: Mithilfe einiger  Standard-Attacken sowie unterschiedlicher, teilweise ganz ansehnlicher Spezial-Angriffe, den sogenannten Ring Moves (die Macht der Green Lanterns basiert bekanntermaßen auf der Technologie des Ringes), werden schnell alle Widersacher ins Jenseits befördert. Für die Aktivierung der Ring-Moves ist natürlich Ring-Energie vonnöten, deren Menge natürlich upgegradet werden kann. Abschießen kann man seine Gegner kraft des Ringes auch noch, teilweise aus der Luft, aber das ist es eigentlich auch schon, was man über das Spiel sagen kann.


Ein zweiter Spieler kann jederzeit einsteigen und mitmischen, doch wertet das das Game nicht wesentlich auf. Bei Kämpfen (und aus viel mehr bestehen die Welten ja nicht) ist die Kamera fest justiert, was durchaus zu unnatürlichen Begrenzungen der Umgebung führt und zudem bewirkt, dass die Charaktere zumeist nur als kleine Figürchen erscheinen. Für eine schnelle Runde Multiplayer-Prügelei ist Green Lantern somit geeignet, wer ein abwechslungsreiches Game für Single Player-Sessions sucht, sollte doch erst einmal die Demo testen und sich überlegen, ob ihm dieses Minimalgameplay ausreicht.

Dienstag, 29. November 2011

Film-Games - Top oder Flop?


Nach unserem Dark Summer und dem so super angekommen Zelda-Rückblick möchten wir noch ein paar Games zu Filmen dieses Jahres vorstellen.
Während Cars 2 uns positiv überrascht hat (die Problematik von Games zu Filmen haben wir ja in dem Artikel schon aufgegriffen), können wir das leider nicht von allen Film-Games sagen. 
Aber lasst euch überraschen von unserer dreiteiligen Serie, die gleichzeitig ein kleiner Jahresrückblick zu den teilweise über-, teilweise unterschätzten Filmen des Jahres ist.
Los geht es heute mit den Reviews zu „Thor“ und „Lego Fluch der Karibik“, gefolgt von „Green Lantern“ und „Phineas und Ferb“ im nächsten Teil. Den Abschluss bildet "Disney Universe".

Lego Fluch der Karibik:

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass dieses Lego-Videospiel das erste ist, das ich gespielt habe. Die guten Kritiken und Berichte von Freunden im Ohr (und natürlich mit Erinnerungen an die eigene Kindheit mit Legosteinen ausgerüstet), waren meine Erwartungen hoch gesteckt – und wurden nicht enttäuscht.


Lego Pirates of the Caribbean lässt einen chronologisch alle vier aus dem Kino bekannten Fluch der Karibik-Teile neu erleben. Figurenwechsel sind dabei möglich, auch in Gestalt eines Hundes lassen sich wichtige Missionsziele erfüllen,  und erwünscht, verfügt doch jeder Charakter über spezielle Fähigkeiten. Im Vordergrund steht aber jederzeit das Verändern der Lego-Welt durch das Finden und zusammenbauen von wichtigen Teilen oder das Zerschlagen und Neu-Zusammensetzen von bestehenden Lego-Elementen. Das ist unterhaltsam, wird aber stellenweise durch eine irritierende und einschränkende Kameraführung sowie eine hakelige und etwas unpräzise Steuerung unterbrochen. Und auch wenn die Welten detailliert und abwechslungsreich gestaltet sind, wird das Procedere nach einer Weile etwas eintönig. Zumindest wenn man für sich alleine spielt. Aber da Lego ja auch früher schon am meisten Spaß machte, wenn mehrere Leute Welten erbauten, sollte man auch bei der virtuellen Version nicht auf einen oder mehrere Kompagnons verzichten und lieber gemeinsam als einsam ein Piratenabenteuer erleben.


Thor:
Lange erwartet startete Thor Anfang des Jahres in den deutschen Kinos und war weitaus ansehnlicher, als das von so mancher Franchise-Geschichte wie beispielsweise der jüngsten Conan-Verfilmung zu erwarten war. Leider kann man das für das Game nicht unbedingt sagen. 

Natürlich schlüpft der Spieler in die Gestalt Thors und macht sich auf, Asgard zu retten (nachdem er, ausgetrickst von seinem Bruder Loki und um einen tot geglaubten nahestehenden Menschen zu rächen, Asgard erst in Gefahr gebracht hat). Und natürlich benutzt Göttersohn Thor dazu seinen berühmten Hammer. Zusätzlich zu Schlägen in verschiedensten Combos (Button-Mashing...) kann Thor Magie in Form von Wind, Donner und Blitzen sowie zusätzlich - ganz klassisch – Erfahrungspunkte sammeln. Die können zum Aufleveln genutzt werden und der Heißsporn wird zunehmend mächtiger. Das bewirkt zumindest etwas Tiefe. Viele Gegner sind eher Standard denn göttlich, aber einige Bosse sehen angemessen aus für den Gott des Donners. Grafisch bietet das Spiel nichts Besonderes, das größere Manko jedoch ist die häufig zu unpräzise Steuerung. Das fühlt sich nicht sonderlich mächtig an. Einzig, wenn die Spezialkräfte aktiviert sind,  kann man den Gegnern ordentlich zeigen, wo der Hammer hängt. Da kommt etwas von dem Feeling auf, das man eigentlich öfter haben sollte. Schade, das wäre besser gegangen, aber auch schlechter. So bewegt sich Thor – Gott des Donners nur im Mittelfeld der Bewertungsskala. 

Sonntag, 13. November 2011

Countdown to Skyward Sword: Twilight Princess


Im Jahre 2004 hatte Nintendo eine, na, sagen wir, durchwachsene Zeit. Der GameCube schlug nicht so ein, wie man es sich erhofft hatte, sodass der Game Boy Advance die Kohlen aus dem Feuer holen musste, bevor der Nintendo DS auf den Markt kam. Auf der E3 Pressekonferenz stellte Nintendo also aller Hand Dinge vor, die in den nächsten Monaten das Geschäft vorran treiben sollten, nur um am Ende mit der Überraschung eines neuen Zelda Teils aufwarten zu können. Die Freude war, na, sagen wir, recht groß.

Bis heute habe ich eine ähnliche Reaktion nie wieder auf einer Pressekonferenz gesehen oder gehört und sie gehört definitiv zu einem meiner Lieblingsmomente in der Geschichte Nintendos. Gänsehaut. Bis das Spiel allerdings rauskommen sollte, sollte es noch über zwei Jahre dauern, was unter anderem mit der neusten Nintendo Konsole Wii zu tun hatte. Nachdem Nintendo bemerkt hatte, dass sie ja noch einen großen Launch-Titel brauchten, machten sie einfach The Legend of Zelda: Twilight Princess, wie der neuste Sprößling der Serie heißen sollte, zu eben diesen großen Titel, der zu Beginn einer jeden Konsole steht. Für den Gamecube sollte das Spiel aber immer noch erscheinen, sodass es erstmals zwei Versionen des gleichen Zelda Abenteuers für zwei unterschiedliche Nintendo Konsolen gibt. Neben kleinen Unterschieden wie der Knopfbelegung ist das Spiel für die Wii komplett gespiegelt worden. Plötzlich ist Link Rechtshänder, damit der Wii-Spieler mit der rechten Hand die WiiMote schwingen kann.

Der bisher letzte für eine Heimkonsolte erschienene Zelda Teil startet diesmal ganz unverhofft, denn Link schläft...NICHT! Viel mehr ist er im Dorf Ordon ein Jugendlicher, der im Dorf auf einer Ranch arbeitet und den Auftrag bekommt, zusammen mit seinem Pferd Epona eine Lieferung zum Schloß Hyrules zu bringen. Bevor er zu dieser Reise antritt, erledigt er noch kleinere Arbeiten im Dorf (die dazu dienen, die Steuerung des Spiels zu verstehen), und just in dem Moment, in dem er aufbrechen soll, bricht die Hölle über das Dorf aus. Monster überfallen das Dorf und entführen vor den hilflosen Augen der Eltern die Kinder des Dorfes. Link wird ko geschlagen und wacht plötzlich einer Schattenwelt auf, die nur so vor Dunkelheit strotzt. Doch damit nicht genug, verwandelt er sich in einen Wolf und wird gefangen genommen. Ein Wesen namens Midna befreit ihn aus dieser Lage und bringt den Wolf Link zu Prinzessin Zelda, die Link eröffnet, dass Hyrule vom bösen Zanto, dem König der Schattenwelt, eingenommen wurde und bittet Link um dessen Hilfe, da er, anders als die anderen Bewohner Hyrules, nicht in Geistergestalt in der Schattenwelt lebt, sondern sich in ihr als Wolf bewegen kann. Link kann der Prinzessin den Wunsch nicht abschlagen und so begibt er sich in das bisher größte Abenteuer der Zelda Geschichte.

Da es sich um den neusten Teil handelt, wurde die Grafik natürlich noch einmal erheblich aufpoliert. Zur Überraschung vieler wurde hier abermals ein neuer Look verwendet, nachdem der Vorgänger The Wind Waker mit Cel-Shading Optik daher kam, welcher, wie besprochen, das Zelda-Lager in zwei Teile teilte. Der "erwachsenere" Link, der seit der SpaceWorld 2000 so sehr herbei gesehnt wurde, kam endlich zum Einsatz und sah auch richtig gut aus. Wer die technischen Daten der Wii kennt, weiß, dass sie, im Vergleich zu anderen aktuellen Konsolen, durchaus abgeschlagen daher kommen. Und wenn man sich den Titel, der nun mittlerweile fünf Jahre auf dem Buckel hat, ansieht und ihn immer noch für einen der schönsten Titel der aktuellen Nintendo Generation hält, dann weiß man nicht unbedingt, ob das nun für das Spiel oder gegen die Power der Konsolte spricht. Ich jedenfalls finde die Grafik immer noch passabel, wenn es auch gegen Spiele der HD-Konsolen natürlich hinterher hinkt. Zum Glück kommt es darauf zwar nicht an, soll und darf aber nicht unerwähnt bleiben. Die Grafik sorgt allerdings für ordentlich Atmosphäre. Es ist also kein Wunder, dass man bis heute vom düstersten Teil der Serie spricht. Gerade die Schattenwelt wirkt in sich geschlossen beklemmend und der Drang, hier die Sonne wieder reinzulassen, macht das ganze zu einem besonderen Erlebnis. Aber auch die normale Welt Hyrules wirkt in sich stimmig und es ist ein Genuß, in sie einzutauchen. Das Dorf im Wald, in dem alles startet, ist so friedlich und so normal, wie ein kleines Dorf im Wald nur sein kann. Die große Stadt von Hyrule wirkt durch die vielen Menschen sehr lebhaft und einladend, der See und die Berglandschaft haben ihren ganz eigenen Flair und das im späteren Spielverlauf nochmal wichtiger werdene Schattenreich besticht einfach mit großartigen Grafikspielereien. Leider hat Nintendo es an dieser Stelle verpasst, dass Schattenreich, welches in den ersten Fotos zu sehen war, durchgängig so zu erhalten. War es im Anfangsstadium der Entwicklung in schwarz-weiß gehalten, ist es nun "nur" noch eine dunklere Farbversion von Hyrule und seiner Umgebung. Verschmerzbar, aber schade.

Gar nicht schade ist der Umfang des Spiels. Wer damals bei Ocarina of Time beim ersten Betreten der Steppe Hyrules aus dem Staunen nicht rausgekommen ist, so wie ich, der wird von Twilight Princess komplett umgepustet. Die komplette Steppe aus Ocarina of Time ist quasi nur ein Teilbereich bei Twilight Princess. Das ist so groß, dass man zu Fuß ohne sein Pferd Epona längere Zeit unterwegs ist, um von A nach B zu kommen. Zum Glück sattelt Link also wieder auf und kann diesmal sogar richtig mit dem Schwert von Epona aus Feinde angreifen. Das wirkt besonders toll, wenn man ein richtiges Duell bestreitet und Gegner aus dem Sattel holen muss, damit diese von ihrem Pferd runterfallen. Sowas war bisher bei noch keinem Zelda gegeben und macht auch weiterhin großen Spaß. Auch spaßig ist die Tatsache, dass man nun mit Link gleichzeitig laufen und das Schwert schwingen kann und dieser danach keine kleine Pause einlegt. Die Kämpfe werden so viel dynamischer und das kommt dem Gameplay nur zu gute. Wie aus Ocarina of Time schon bekannt, belegt man auf einem Knopf eine andere Waffe wie Pfeil und Bogen, Bummerang oder, meine neue Lieblingswaffe, den doppelten Enterhaken. Wie Spiderman konnte man sich an gewissen Stellen im Spiel von Punkt zu Punkt durch die Luft hangeln. Großer Spaß für Zwischendurch. Ebenfalls ein großer Spaß waren die Dungeons und auch meine neuen Lieblingsfeinde der Serie, die Shadow Beasts. Leider waren sie recht selten und irgendwie auch zu schnell besiegt, aber die Viecher haben einem echt Angst gemacht, weil sie unheimlich bedrohlich wirkten. Gegen einen weiteren Auftritt in einem zukünftigen Spiel hätte ich nichts einzuwenden. Großartig auch der finale Kampf gegen Ganondorf, der sich über fünf Stufen zieht, inklusive einer Verwandlung seinerseits in den Dämonen Ganon, einem Kampf auf den Pferden und einem finalen Schwertkampf auf Leben und Tod. Wer hier am Ende nur noch wenige Herzen und keine Feen mehr in der Hinterhand hat, weiß, wie nervenzerfetzend das sein kann und wie groß die Erleichterung ist, wenn man es gepackt hat.

Twilight Princess machte also verdammt viel richtig und es war ein Zelda, wie man es sich wünschte: größer, geschmeidiger, schöner, erwachsener, schneller, mit noch mehr Blick für die Geschichte, einem guten Soundtrack...einfach ein Spiel, was man gespielt haben muss, um zu wissen, wie gut es ist und welches die hohen Erwartungen der Fans, die damals dem ersten Trailer bejubelt haben, zum großen Teil stand halten konnte.

Zurückblickend bleibt mir zu sagen, dass es mir sehr, sehr viel Spaß gemacht hat, die ganzen "alten" Zelda noch einmal zu spielen und zu erleben, was für eine großartige Serie Shigeru Miyamoto für Nintendo und uns Spieler geschaffen hat. Mit einem Helden, der zwar seit Anbeginn der Zeit verschläft, aber durch seine ruhige Art klaren Kopf behält und weiß, wie die Welt zu retten ist. Mit einer Prinzessin, die zwar in Not gerät, aber so gut es geht zu helfen versucht. Mit einem Bösewicht, der Angst und Schrecken verbreitet. Einem Gameplay, dass seit Jahren gleich bleibt, sich aber doch immer wieder verändert. Einer Musik, die zum träumen schön ist. Einer Welt, die einen in seinen Bann zieht. Eine Geschichte, die einfach legendär ist. Ich würde gerne nächste Woche meine Erlebnisse zum neusten Zelda Spiel mit euch teilen, leider habe ich aber keine Version vorliegen, sodass ich gleichzeitig mit allen anderen am 18.11. dazu kommen werde, das Spiel zu spielen. Freu ich mich? Absolut. Immerhin ist es ein neuer Zelda Teil.
Ich danke euch für eure Aufmerksamkeit.

Sonntag, 6. November 2011

Countdown to Skyward Sword: The Wind Waker


2000, die Menschheit hatte die Y2K Katastrophe knapp überstanden, der Mond in Majora's Mask ist auch nicht abgestürzt und Nintendo würde langsam aber sicher den N64 ruhen lassen müssen. Zwar kam mit besagtem Majora's Mask nochmal ein Knaller auf den Markt, aber so langsam war seine Zeit rum. Der Nachfolger musste her und auf der hauseigenen Messe namens SpaceWorld wurde der Nintendo GameCube vorgestellt. Mit dabei ein Trailer, der einige neue Spiele Highlights zeigen sollte, u.a. das hier:



Der Jubel in der Fangemeinde war groß. Das erste Zelda für den Gamecube sollte, rein vom optischen her, noch mehr in Richtung Realismus gehen und einen epischen Kampf zwischen Link und Ganondorf beinhalten, wann auch immer dieses Aufeinandertreffen stattfinden sollte. In den nächsten Monaten wurde, besonders im immer wichtiger werdenen Internet, jede noch so kleine Bildeinstellung analysiert, der Hype bis zum äußersten getrieben und auf der SpaceWorld 2001 zeigte Nintendo den neusten Trailer des GameCube Zeldas:



Es war die Musik, es war die grüne Kleidung des Helden, es war der gleiche Name, der gleiche Entwickler, nur plötzlich war The Legend of Zelda ein...Cartoon?
Der Aufschrei innerhalb der Zelda Community war gewaltig und nicht wirklich positiv. Zelda wurde zu "Celda", handelte es sich hier um den Cel-Shading Look, der um die Jahrtausendwende gewisse Popularität gewann, die Grafik wurde verteufelt und der größte Kritikpunkt war der, dass Link, der im 2000er Trailer ein junger Erwachsener einen imposanten Schwertkampf gegen seinen Erzrivalen bestreitet, nun ein Kind ist, der in einem Zeichentrickspiel die humoristische Seite bedient. Diese Vorwürfe waren sicherlich nicht von der Hand zu weisen und auch ich war damals nicht wirklich begeistert von diesem Stilbruch, im Nachhinein war alle Aufregung umsonst. Warum das so war, möchte ich nachfolgend beschreiben, im Blick zurück auf The Legend of Zelda: The Wind Waker.

Fangen wir, wie so häufig, mit der Story an und man höre und staune, Link schläft! Schon wieder. Und als wenn das nicht schlimm genug wäre, verschläft der junge Mann seinen eigenen Geburtstag! Und wer weiß, wäre seine Schwester Aril nicht gewesen, vielleicht hätte er den ganzen Tag geschlafen. So erfreut er sich aber über das Geschenk seiner Schwester, ein Fernrohr, mit dem er auch promt etwas ungewöhnliches sieht: ein riesengroßer Vogel verschläppt ein junges Mädchen und wird dabei von einem Piratenschiff verfolgt und getroffen. Der Vogel lässt das Mädchen fallen, Link eilt zur Hilfe und muss nachfolgend mit ansehen, wie seine Schwester vom Vogel entführt wird. Ehrensache, dass der Bruder die Schwester retten will und so nimmt Tetra, ihres Zeichens Kapitänin der Piratenschiffs, Link mit auf die Reise in die verwunschene Bastion, in der der Vogel mehrere Mädchen entführt hat. Der Rettungsversuch scheitert, weil der große Vogel auf einen Mann in schwarzer Kleidung gehorcht, und Link findet sich auf dem Meer wieder. Hier wird er glücklicherweise von roten Leuenkönig, einem sprechendem Boot, gerettet, über den Mann in schwarz namens Ganondorf aufgeklärt, dessen Bannzauber von vor mehreren hundert Jahren nun versagt haben muss, und nun soll Link ebendiesen zu Fall bringen. Dazu bedarf es dreier heiligen Kugeln, um Zugang zum versunkenen Hyrule zu erlangen, um dort in Besitz des mächtigen Master-Schwerts zu gelangen, mit dem Link den Bannzauber gegen Ganondorf wieder aktivieren soll. Auf geht sie, die Schiffsfahrt in ein großes Abenteuer.

Schifffahrt? Boote? Piraten? Versunken? Wie passt das alles mit dem Hyrule zusammen, welches man aus den vorherigen Teilen kennt? Nun, Hyrule als solches gibt es nicht mehr, sondern ist nur noch lose durch mehrere kleine und große Inseln zusammen gehalten. Dementsprechen muss Link mit dem roten Leuenkönig von Insel zu Insel segeln, um weiterzukommen. Das ist auch ein großer Spaß, denn man kann sich, im wahrsten Sinne des Wortes, mal ein wenig treiben lassen, den Tag und Nacht-Wechsel verfolgen oder die Umgebung erkunden, um die vielen kleinen Nebensquests zu finden und zu bestehen. Hier und da finden sich auch feindliche Schiffe oder ein Händler wieder, sodass es niemals komplett langweilig wird. Aber wer segeln will, braucht auch Rückenwind. Damit man diesen auch immer hat, bekommt Link den Taktstock des Windes, der die Windrichtung beeinflussen kann. Später im Spiel ist es auch möglich, sich per Wirbelwind zu "teleportieren", damit es nicht all zu lange dauert, um von Insel A nach Insel B zu kommen. Gleichzeitig ist dies aber auch der größte Kritikpunkt, den ich bezüglich Wind Waker habe: die Schifffahrt im letzten Drittel des Spiels. Um nicht unnötig zu spoilern, aber hier ist es von nöten, die acht Teile des Triforce wieder zu finden. Dies mag eine kleine Anlehnung an das Original Zelda vom NES sein, nur war die Suche damals weitaus actionlastiger als es bei The Wind Waker der Fall ist. Link und der Leuenkönig müssen den kompletten Ozean abklappern, um die acht Teile zu finden und anschließend bergen. Die Suche wird durch Schatzkarten zwar erleichtert, allerdings muss man diese erst käuflich erwerben und diese sind nicht gerade billig. Und wenn der Geldsack Links vorher noch nicht von euch erweitert wurde, muss man sich zwischendurch noch auf eine der Inseln begeben, Feinde besiegen, Gras mähen, Töpfe zerstören, um irgendwie an Rubine zu kommen, diese dann wieder für die Karten ausgeben und dann den Schatz bergen, bis alle acht Teile zusammen sind. Das kann echt lange dauern und echt nervig sein, wenn man weiß, dass kurz darauf das Spiel seinen Höhepunkt im Kampf gegen Ganondorf findet. Was Nintendo sich dabei gedacht hat, bleibt mir bis heute verborgen.

Den bis zu diesem Zeitpunkt, und der Endkampf danach, sind die eines Zeldas würdig. Sofern man es mit dem N64-Controller vergleichen kann, ist die Steuerung ziemlich unangetastet geblieben und Link steuert sich wie aus einem Guß. Neu dabei ist allerdings die frei einstellbare Kamera, die der C-Cursor möglich gemacht hat. Dies ist besonders in den kleinen, aber feinen Stealth Passagen von Nöten, damit Link nicht entdeckt wird, weiß aber auch auf hoher See zu gefallen, um sich einfach mal umzuschauen. Die Musik, die seit diesem Teil von einer Disc kommt, kommt nochmals ein wenig epochaler daher, als es noch beim N64 der Fall war, zumal sich viele bekannte Melodien aus den Vorgängern in den neuen Songs verstecken oder neu interpretiert werden. Der Soundtrack jedenfalls ist, wie nicht anders zu erwarten war, ein Meisterwerk und über jeden Zweifel erhaben.

Doch wieso dann der große Wirbel, wenn es sich doch wie ein Zelda anfühlt und sich wie ein Zelda anhört? Wie oben beschrieben, der Grafikstil war nicht jedermanns Sache. Viel zu sehr hatte man sich auf den wirklich edel aussehenden Trailer der Erstankündigung fixiert und gefreut, als das man plötzlich diesen "Kinderkram" willkommen heißen konnte oder wollte. Da half es auch wenig, dass Videospiel Redakteure die komplett gegensätzige Meinung hatten, das Spiel lobten und ihm auch auf der E3 bescheinigten, dass das Spiel große Klasse ist. Bis zum Release blieb ein großer Teil kritisch. Diese Kritik sollte sich aber recht schnell in Luft auflösen, denn das wiederholt tadellose Gameplay wusste genau, wo man die Kritiker packen kann und dies war eben via Gameplay. Hier erlaubte sich Nintendo keinerlei "Aussetzer" und blieb sich treu. Das Grafik Experiment wusste letztenendes doch zu überzeugen, denn wenn man ehrlich ist, so ist The Wind Waker auch heute noch eins der schönsten Zelda Spiele. Der Comic Look ist, logischerweise, zeitloser als die Grafik eines Ocarinas of Time, das bei all seiner Klasse heute schon deutlich zu spüren bekommt, dass der Zahn der Zeit grafisch an ihm genagt hat. Auch die Mimik und Gestik wirkt heute noch sehr sympathisch und passend zum Spiel, gerade weil auch ein wenig Komik hinzu genommen werden konnte. Wenn Link vom Piratenschiff aus einer Kanone Richtung "verwunschene Bastion" geschossen wird, ist das in diesem Kontext um einiges glaubhafter, als wenn Link in einem "realen" Spiel das selbe erlebt hätte.

Die Zweifel konnten also durchaus aus dem Weg geräumt werden, zumal es bei The Legend of Zelda: The Wind Waker meinen aller liebsten Magic Moment innerhalb der Zelda Serie, wenn nicht sogar der bisherigen Spielewelt, gibt: wenn Link erstmals das versunkene Hyrule betritt, steht die Welt still. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die Stadt ist in ihrem letzten Moment komplett "versteinert" worden und nichts bewegt sich mehr und alles, was stehen geblieben ist, ist in schwarz-weiß-grau gehalten. Nur Link kann sich, in Farbe, frei bewegen, um das Master-Schwert zu holen. Das mag unspektakulär klingen, wenn man es nur liest, aber Zelda war schon immer eine Serie, die sehr mit Emotionen arbeitet. Wer diese Stelle spielt, sich von der Geschichte mitnehmen lässt und um die Wichtigkeit Bescheid weiß, der bekommt hier einen Moment geliefert, den man nie wieder vergessen wird. Vielleicht ist er auch deswegen so unvergesslich, weil er, im Gegensatz zu vielen anderen Spielen, die ihre großen Momente mit großen Explosionen und gewaltiger Musik unterlegen, vergleichsweise leise und spartanisch daher kommt. Mich jedenfalls haut er immer wieder auf's Neue um und auch wenn die Reihe viele dieser magischen Momente zu bieten hat, das schwarz-weiß-graue Hyrule ist tief in meinem Videospielherzen verankert.

Zusammenfassend kann man also über den GameCube Ableger der Zelda Serie sagen, dass er, wenn man sich auf ihn einlässt und die Cel-Shading Grafik als nicht störend empfindet, ein Zelda bekommt, wie man es erwartet. Tolle Rätsel, tolle Geschichte, fantastische Musik und ja, auch die Grafik ist mehr als nur schön anzusehen. Wenn etwas stört, dann ist es die Triforce-Suche kurz vor Schluß, der Rest, und das ist nicht wenig, ist einfach Zel-tastisch.

Und somit biegen wir auf die letzten zwölf Tage bis zum Release von Skyward Sword ein. Heißt im Umkehrschluß, dass wir noch einen Sonntag haben, an dem wir ein weiteren Zelda beleuchten können, und dieses kam für gleich zwei Konsolen auf den Markt: The Legend of Zelda: Twilight Princess.

Sonntag, 30. Oktober 2011

Countdown to Skyward Sword: Majora's Mask


1998, Nintendos Meisterwerk The Legend of Zelda: Ocarina of Time erschien für das Nintendo 64 und die Spielewelt war begeistert. So sehr, dass bis heute noch einige davon überzeugt sind, dass beste Spiel aller Zeiten in den Händen gehalten zu haben. Der Ruf nach einem Nachfolger wurde trotzdem laut, zu begeistert war man von der Spielmechanik, als das es bei einem einmaligen Ausflug auf dem N64 hätte bleiben sollen. und siehe da, innerhalb von zwei Jahren entwickelte Nintendo auf Grundlage von Ocarina of Time einen Nachfolger, der als das letzte große Highlight des N64s gilt. Der Name: The Legend of Zelda: Majora's Mask, ein recht kontrovers diskutiertes Spiel. Wie es dazu kommen konnte, lest ihr jetzt.

Nach erfolgreicher Mission, die Prinzessin Zelda und das Königreich Hyrule von Ganon(dorf) und seinen Schergen zu befreien, wird Link mit Hilfe der Okarina der Zeit zurück in seine Kindheit teleportiert, damit er diese endlich in Frieden erleben kann. Link reitet nun mit seinem Pferd Epona durch den Wald, wird aber von Horror Kid, das eine auffällige Maske trägt, angegriffen. Epona wirft Link ab, der fällt kurzzeitig in Ohnmacht und währenddessen klaut ihm das Horror Kid u.a. die Okarina der Zeit. Als Link zu sich kommt, flüchtet Horror Kid auf Epona und Link versucht verzweifelt, die Jagd aufzunehmen. In einer dunklen Höhle macht er den entscheidenen Schritt zu viel, fällt in ein schier unendliches Loch und wird am Ende, als er auf Horror Kid trifft, in einen Deku-Kerl verwandelt. Bei einer erneuten Flucht des Diebs findet sich Link plötzlich in einer Stadt wieder, die nur bedingt von ihm angetan ist und zu allem Überfluss der Mond bedrohlich nah über der Stadt schwebt. Link erfährt vom Maskenhändler, dass das Horror Kid auch ihn überfallen und Majoras Maske gestohlen hat. Diese verleiht dem Träger große Kräfte, die sich aber, auf dem falschen Kopf gesetzt, negativ und gefährlich für alle anderen auswirken kann. Bestes Beispiel sei der Mond über der Stadt namens Terminia, der in den nächsten drei Tagen abstürzt, sofern Link Horror Kid nicht besiegt, die Maske in seinen Besitz bekommt und die Welt rettet. Mutig wie er ist, stellt sich Link dieser Bedrohung, muss aber erstmal das Deku-Kerl Kostüm los werden. Link schafft es, in einer ersten Schlacht mit dem Horror Kid, seine Okarina wieder zu bekommen, aber auch in der Zeit zurückzureisen, und zwar an den ersten der drei Tage. Alles auf Anfang, der Mond ist wieder weiter weg, die Menschen gehen den Job nach, den sie damals schon verrichtet haben und niemand kann sich mehr an das erinnern, was geschehen ist, mit Ausnahme von Link, dessen Auftrag weiterhin lautet: Horror Kid besiegen, Majoras Maske holen, Welt retten.

Über die Technik an sich braucht man nicht viele Worte verlieren, diese ist mit dem N64 Erstling Ocarina of Time ziemlich deckungsgleich. Allerdings sieht Majora's Mask einen Ticken besser aus, dank der damaligen 4 MB Speichererweiterung, die man in die Nintendo 64 Konsole einsetzen konnte. Dies war bei dem Spiel übrigens auch dringend notwendig, ansonsten hätte der Spieler das neuste Abenteuer gar nicht erst starten können. Besonders die viel belebtere Stadt fällt einem ins Auge, aber auch die vielen neuen Umgebungen sind farbenfroher und detaillierter als es vorher der Fall war. Die Musik, da muss ich nicht viel sagen, ist ein kleines Meisterwerk, welches bekannte Melodien aus Ocarina of Time mit neuen Klängen mischt, um eine eigene Note zu bekommen. Ohrwurmverdächtig sind die meisten der Stücke wieder einmal, da lässt Nintendo sich aber auch einfach nicht lumpen. Gerade in den finalen Minuten des dritten Tages läuft die Musik zur Höchstform auf und lässt einen staunend mit einem Schauer über dem Rücken ziehend zurück.

Viel interessanter war das Spielprinzip des Drei-Tage-Rhythmus. In echter Zeit waren dies übrigens "nur" 72 Minuten. Aber egal, was man versuchte, man bekam immer nur diese drei Tage Zeit, die Aufgaben zu erledigen, die man aufgetragen bekommen hat. Schaffte man es nicht, muss man sich wieder an den Start zurückflöten und es noch einmal probieren, solange, bis es gelingt. Besonders ärgerlich war dies besonders, wenn man sich mühsam durch die vier neuen Dungeons gekämpft hat und kurz vor dem Endgegner wieder an den Anfang zurück musste. Damit man ungefähr wusste, wie lange noch Zeit ist, wurde im unteren Bildschirmrand eine Sonnenuhrartige Uhr eingeblendet, aber um den Druck ein wenig zu fördern, gab es die letzten Stunden in einem richtigen Countdown. Und dieser Druck, endlich den beknackten Level oder eine bestimmte Herausforderung zu schaffen, war spürbar, je näher das Ende anrückte. Zum einen, weil man es als Spieler natürlich sehr gerne hat, wenn man etwas erfolgreich meistert, zum anderen aber auch deshalb, weil man absolut keine Lust hatte, "alles" noch einmal von vorne zu beginnen. Gleichzeitig ist es bei der Zelda Serie schon immer so gewesen, dass man sich gerne auch einfach mal ein wenig von allem treiben lässt und schaut, wo es noch etwas zu erforschen und zu ergattern gibt. Dies gibt es auch hier weiterhin, nur mit einem gewissen Zeitdruck, den man nun lieben, oder aber auch abgrundtief hassen konnte.

In Majora's Mask gibt es eine Menge zu entdecken und zu erkunden. Da ist natürlich die komplett neue Stadt, in der man sich befindet, die von einer großen Steppe umgeben ist. Von dort aus kommt man ebenfalls in die neuen Areale, in denen das Abenteuer immer weitergeht. Während der Wald wohl bekannt ist, gibt es diesmal auch noch eine Schneelandschaft auf einem Berg, ein Canyon-artiger Bezirk, den Strand, einen Sumpf und eine Farm, auf der man auch sein Pferd wiederfindet. Epona erleichtert es auch dieses Mal, schneller von Ort zu Ort zu kommen und ist abermals eine große Hilfe. Von den meisten Orten kommt man, wie es in der Serie üblich ist, auch in die Dungeons, die es diesesmal zu bestehen gilt. Alle sind einzigartig in ihrer Art und es macht Laune, sich durch sie durch zu kämpfen, trotz oder gerade wegen des Zeitdrucks im Hinterkopf.

Damit Link das Abenteuer nicht alleine mit seinem Schwert und Schild bestreiten muss, gibt es neben den bekannten Waffen, die Link sonst so in seinen Abenteuern einsammelt, dieses mal ganze 24 Masken zum sammeln und einsetzen. Während der Großteil in kleinen Sidequests zu erspielen gibt, sind drei von besonderer Bedeutung, nämlich die Masken der Völker, die es schon bei Ocarina of Time gab: Dekus, Zoras und Goronen. Alle drei haben ihre eigene Spezialfähigkeit, die es Link erleichtert, durch die Gebiete zu wandern und sie erfolgreich zu bestehen. Der Deku kann über das Wasser hüpfen und kurzzeitig fliegen, als Zora kann Link unter Wasser atmen, laufen und kämpfen und als Gorone kugelt sich Link mit einem Affenzahn durch die Gegend und hat einen gewaltigen Schlag. All die Fähigkeiten sind natürlich bei den jeweiligen Endgegnern wichtig und vom großen Vorteil. Besonders hat es mir der Endkampf als Goronen-Link angetan, der sich durch eine runde Arena kugelt und so dem Endgegner entgegen rollt. Wer die Okarina benutzen muss, während die Maske noch auf dem Kopf sitzt, bekommt übrigens neue Instrumente zu Gesicht: eine Tuba beim Deku-Kerl, eine Trommel beim Gorone und eine Gitarre beim Zora. Beim ersten Aufsetzen der Masken bekommt man übrigens eine kleine Animation zu Gesicht, die man so schnell nicht vergessen wird. Gerade die Zora Maske lässt mich manchmal noch erschrecken.

Was das Spiel aber besonders macht, ist seine wirklich beklemmene Stimmung. Man ist sich die ganze Zeit im klaren, dass, wenn man es nicht schafft, die Welt untergeht. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und eigentlich ist es gar nicht möglich, all dies in nur drei Tagen zu schaffen, selbst wenn man sich immer wieder zurückversetzen kann und die bis dahin eingesammelten Items und Rubine, wenn auch nur auf der Bank, erhalten bleiben. Denn auch das zurückversetzen zerrt an den Nerven, denn egal, was man vorher mit den Menschen getan hat, sie reagieren immer wieder so, als würden sie dich das erste Mal sehen und sprechen und sie machen einfach nur das, was sie immer machen, jeden Tag, jede Nacht, bis es wieder zurück an den ersten Tag geht. Ihnen bleibt nichts in Erinnerung und jeder, der schon mal etwas für eine andere Person getan hat, die sich dann später aber nicht dran erinnern kann, weiß, wie frustrierend das sein kann. Das ist vielleicht etwas weit hergeholt, aber als Videospieler ist man ja drauf geeicht, jemandem zu helfen, der sich dann dankbar zeigt. Die Figuren zeigen es dann auch, wenn man ihnen hilft, aber sie vergessen es wieder. Es ist wie bei Bill Murray in "Und täglich grüßt das Murmeltier", nichts hat einen gewissen Effekt, es beginnt ja sowieso wieder von vorne. Auf der anderen Seite ist es wieder verlockend, eben, weil niemand etwas im Kopf behält, soviel Unsinn wie möglich anzustellen.

The Legendo of Zelda: Majora's Mask spaltet die Zelda Spielerschaft. Einige halten es für ein absolutes Überspiel, weil es sich so wunderbar von der sonstigen Serie abhebt und damit einen ganz eigenen Charme und ein ganz eigenes Flair hat. Andere wiederrum finden das Zeitlimit lästig und würden am liebsten drauf verzichten, egal, wie einzigartig der Ableger der Serie ist. Mir persönlich hat es sehr viel Spaß gemacht, mit Link mal eine vollkommen neue Welt zu erkunden, einen anderen Gegner am Ende des Spiels zu schlagen als Ganon und auch mal komplett die Prinzessin vergessen zu können. Natürlich ist der Zeitdruck nicht unbedingt das, was man bei Videospielen haben möchte und gerade vor einem Endkampf möchte man nicht wirklich in der Zeit zurück reisen, weil man glaubt, man könne den Gegner nicht in der verbleibenden Zeit schlagen. Es macht aber einen großen Reiz des Spiels aus, eben abzuwegen, wie weit man gehen kann, um zum Ziel zu gelangen, ob es schaffbar ist oder ob man nicht doch lieber von vorne anfängt. Was auf jeden Fall bleibt, ist eine einzigartige Zelda Erfahrung, der man sich unbedingt einmal gestellt haben sollte. Dass das Gameplay über jeden Zweifel erhaben ist, muss ich eigentlich nicht erwähnen, es baut auf dem großartigen Ocarina of Time Konzept auf und macht dementsprechend nichts mehr falsch.

Nächste Woche kommen wir zum nächsten Kontroversen Zelda Spiel: The Wind Waker für den Nintendo Gamecube. Weswegen der Titel ebenfalls auf einigen schwarzen Listen zu finden ist, andererseits aber auch als eins der besten Zeldas gefeiert wird, werde ich dann unter die Lupe nehmen.